|
Rettungshundeführer - was soll das? ein Bericht von Matthias Richter
Haben Sie sich je gefragt, welchen Sinn Ihr Leben hat? Wenn nicht, dann sollten Sie dies vielleicht tun und erst weiterlesen, wenn sie mehr Fragen als Antworten haben.
Als Kind wurde ich stets dazu erzogen, freundlich zu sein, nachzudenken und alles und jeden um mich herum zu achten. Dazu gehörte für mich auch immer eine Hintergrundanalyse. Ich konnte nicht nur tun... ich musste auch immer wissen warum, entwickelte einen unersättlichen Drang zur Gerechtigkeit und Solidarität. Geboren wurde ich im Jahr 1974, in der DDR. Die Wende war für mich ein prägendes Ereignis - sowohl positiv wie auch negativ, denn in meinen jugendlichen Augen war es die Chance für uns Deutsche, die Falschheit und Hörigkeit gegenüber “denen da oben” endlich ablegen, den Egoismus zu überwinden und zur wahren Menschlichkeit finden zu können. Doch die Träume von einer besseren Gesellschaft zerplatzten durch das Aufstülpen des westlichen Systems wie Seifenblasen. Vielleicht wurde eine Chance verpasst, das Gute im Menschen siegen zu lassen.
Hund oder Mensch? Da ich mich schon von Kindheit an für Tiere interessierte und mit Hunden aufwuchs, (nicht bei Hunden ...unsere Familie hatte immer welche) lernte ich diese stets als sehr ehrliche und treue Wesen kennen und es war für mich selbstverständlich, dass ich mir, wenn ich verantwortungsbewusst genug bin, auch einen solchen anschaffe. Mein erster eigener Hund war Cuja, eine schwarze Schäferhündin, die zwar ein Traum von einem Hund aber nicht mein Traumhund war. Später legte ich mir dann meine erste Rottweilerhündin zu und im Jahr 2000 kam AYK, der sich mehr mich ausgesucht hat als andersherum. Mit ihm begann ich dann auch meine Rettungshundearbeit im Sommer des selben Jahres. Zum ersten Training ging ich mehr aus Neugier als aus Enthusiasmus oder dem Gedanken, dass ich eines Tages vielleicht mal jemandem das Leben retten könnte. Wenn ich ehrlich bin, war das für mich auch nicht so wichtig, weil ich mit Tieren besser klarkam als mit jedem Menschen auf dieser Welt und das meiste Elend auf unserem Planeten doch wohl eher von diesen Kreaturen verursacht wird als von der Natur selbst. Je mehr ich mit der Ausbildung beschäftigt war, desto mehr fand ich Gefallen an der Methode der Positivbestärkung, welche im Rettungshundewesen meist angewandt wird. Die alten Ausbildungsmethoden hatten mir nie recht zugesagt und über die Seminare und Helferschulungen wurde ich ein immer besserer Hundeführer. Die Ausbildungswochenenden in der Fremde waren klasse. Zwar rustikal im Zelt oder auch mal in Gasthäusern, aber vor allem die Leute waren toll. Wir saßen oft bis spät in die Nacht und erzählten über die Ausbildung, unsere Hunde, unser Leben. Es waren meist Leute wie ich, die ihre Hunde über alles liebten und durch diese Liebe zu ihrer Bestimmung fanden: das Mitgefühl, die Solidarität, Menschlichkeit gegenüber jedem einzelnen Individuum oder wie es viele bezeichnen: Zivilcourage.
In dieser Zeit begann ich mir immer mehr Gedanken über das Dasein zu machen, über mich, meine Welt und die Welt an sich und die Welt eines jeden. Meine atheistische Grundeinstellung habe ich dabei nicht verloren, aber eine Liebe zu Individuen gefunden. Mein Drang zur Gerechtigkeit und Solidarität - der Sinn MEINES Lebens. Wie kann man Gerechtigkeit verlangen ohne selbst gerecht zu sein? Wie kann man Hilfe erwarten wenn man nicht bereit ist zu helfen? Helfen kann jeder, eben auf die Art auf die er in der Lage ist, es zu tun. Was ist schöner als über den Weg, den man seiner Liebe wegen geht, helfen zu können??? Dazu bereit zu sein, es zu tun? Einsatzfähig als Staffel zu sein und dies mit- und füreinander. Dies ist unsere Aufgabe im Rettungshundewesen. Diese Einstellung fand ich leider in meiner eigenen Staffel nicht wieder, so dass ich mich in dieser eher als Einzelgänger fühlte. (Um nicht zu sagen, als der Idiot, der sich für eine Sache aufopferte, die andere nur als Freizeitbeschäftigung zu betrachten schienen). Auch wenn ich mich damals noch in einem Entwicklungsprozess hin zum Rettungshundeführer befand, so glaube ich doch, bereits in diesem Stadium die Ernsthaftigkeit dieser verantwortungsvollen Aufgabe begriffen zu haben.
Besonders ein Rettungshundeseminar bei der damals neu gegründeten RH-Sfaffel Östliche Altmark, welches von Ines Thanel und Dietmar Frank (SAR-Dogs International) abgehalten wurde, prägte meine innere Einstellung in Bezug auf Einsatzfähigkeit und soziale Kompetenz einer Rettungshundestaffel. Sehr dankbar bin ich beiden auch dafür, dass sie es mir nach meinem späteren Austritt aus meiner ehemaligen Rettungshundestaffel und den damals existenten finanziellen Problemen ermöglicht haben, vergünstigt an einem weiteren Seminar teilnehmen zu dürfen. Dies zeigte mir grundlegende Charakterzüge wahrer Rettungshundefreunde auf: Solidarität, Echtheit, Offenheit und Hilfsbereitschaft! Sie predigten es nicht nur, sondern setzten es um.
Die Frage der Einsatzfähigkeit Je mehr ich mich zum Rettungshundeführer entwickelte, desto mehr betrachtete ich es auch als meine Aufgabe, die Rettungshundestaffel, in der ich damals Mitglied war, hin zu einer einsatzfähigen Einheit zu formieren. Nur allein mit dem Bestehen einer Prüfung, ist eine RHS noch längst nicht dazu fähig, in einen Einsatz zu gehen und hat mitnichten die Kompetenz, sich auf die Suche nach vermissten Personen zu machen. Hierzu gehört viel mehr: -Kennt man die Prüfungsordnung ist es möglich, Hunde zu DRESSIEREN, diese zu bestehen. Ein Rettungshund, der in einen Einsatz gehen soll, muss aber konditionell und geistig auf der Höhe sein, diesen zu verkraften. -Jedes Staffelmitglied muss dem anderen vertrauen können, um in so schwierigen Situationen, wie einem Einsatz konzentriert seine Aufgabe erfüllen zu können. Besonders in der Nachtsuche wird dies deutlich. -Die einzelnen Aufgaben müssen kompetent und verantwortungsvoll verteilt und ausgeführt werden.
Diese und viele weitere Aspekte waren in jener Staffel nicht gegeben. Neben anderen Dingen waren wohl viele Mitglieder der Meinung, hier nur einer Freizeitbeschäftigung nachzugehen und “spielten” Rettungshundestaffel auf Kosten einer Organisation. Näher möchte ich auf dieses Thema nicht eingehen, da es mir in der Vergangenheit genug Bauchweh bereitete und ich durch meinen Austritt die für mich einzig logische Konsequenz gezogen habe.
FORTSETZUNG FOLGT
|